Ganz im Süden der US-Ostküste liegt Key West, die südlichste zum Festland zählende Stadt der Vereinigten Staaten, obwohl sie praktisch komplett von Wasser umgeben ist. Die mehrstündige Autofahrt dorthin lohnt sich in vielerlei Hinsicht.

Wir hatten Glück: Unser Motel, das Quality Inn, befand sich in Florida City/Homestead, dem letzten Ort, bevor man auf die Card Sound Road in Richtung der Florida Keys einbiegt. Je nachdem ob ihr euch an die Geschwindigkeitsbegrenzung haltet oder aufgrund der vielfältigen Eindrücke etwas langsamer die Straße langtuckert, solltet ihr etwa 3 Stunden für die Fahrt einplanen.

Hier und da könnt ihr für einen Fotostopp anhalten, auch wenn wir uns von der Fahrt nach Key West doch etwas mehr versprochen hatten. Sieht eben nicht alles so paradiesisch aus, wie man es aus farblich übersättigten Youtube-Dokumentationen kennt. Auch die Spuren der letztjährigen Hurrikan-Saison waren an manchen Stellen noch sichtbar.

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Der Weg nach Key West ist lang, aber die Fahrt lohnt sich

Habt ihr vergessen, für die Fahrt Proviant einzupacken, dann könnt ihr euch Notfalls auch in einem der beiden McDonalds-Filialen stärken, die euren Weg nach Key West kreuzen. Wir haben Mäcces nur als Toilettenstopp genutzt und als Tarnung einen Kaffee bestellt.

Nach gut 200 Kilometern auf dem Overseas Highway, dessen Überquerung bis 1954 mautpflichtig war, tauchte dann endlich Key West als Ziel unseres Ausfluges vor uns auf. Eine Kleinstadt mit gerade einmal knapp 25.000 Einwohnern, die magere 1 Meter über dem Meeresspiegel liegt. Kuba ist geografisch gesehen nur einen Steinwurf entfernt und wird seit Jahrzehnten argwöhnisch von den Amis überwacht.

Wenn ihr nur einen halben Tag Zeit habt zum Erkunden, dann werdet ihr über jeden Tipp dankbar sein, der eure Planungen ergänzt. Deshalb haben wir euch eine Liste der Sehenswürdigkeiten zusammengestellt, die ihr in Key West unbedingt gesehen haben müsst. Zum Schlemmen ist natürlich auch etwas dabei.

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Key West AIDS Memorial

Kaum zu glauben, aber Key West hat(te) eine überdurchschnittliche Ansteckungsrate mit HIV. Laut ‚Keywestaids.org‘ lag die Rate im Jahr 1988 bei 121 auf 100.000 Leute. Zum Vergleich: New York City kam damals auf 63. Innerhalb weniger Jahre steckten sich 700 Menschen mit der Krankheit an. Auch entwickelte sich der Ort zur Zuflucht für Erkrankte aus anderen Landesteilen, die sich dort willkommener fühlten.

„I believe that tears can heal,
that memories can comfort,
that love lives on forever.“

~ Anonym (in Stein gravierter Spruch am Denkmal)

Am Welt Aids Tag 1997 wurde mit privaten Spenden das Key West AIDS Memorial direkt am türkisblauen Wasser des Atlantiks eingeweiht, auf dem mehrere hundert Namen verewigt sind.

Adresse: 1100 White St, Key West, FL 33040

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African Cemetery At Higgs Beach

In Sichtweite des Aids Memorials befindet sich der African Cemetery at Higgs Beach. Wie der Name schon sagt, handelt es sich um einen Friedhof, der im Jahr 2002 überhaupt erst entdeckt wurde.

Auf dem heute bunt verzierten Friedhof befinden sich die sterblichen Überreste 294 afrikanischer Männer, Frauen und Kinder, die im Jahr 1860 in Key West starben, nachdem sie von Sklavenschiffen gerettet wurden.

Aufgrund ihrer unmenschlichen Unterbringung auf den Schiffen steckten sie sich mit den unterschiedlichsten Krankheiten an, die ihnen schließlich trotz ihrer Rettung an Land den Tod brachten.

Sicherlich eine der denkwürdigsten Sehenswürdigkeiten von Key West, die einem vor Augen führt, dass oft der Mensch selbst der größte Feind des Menschen ist.

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West Martello Tower

West Martello Tower ist eine wunderschöne, liebevoll gestaltete Gartenanlage, die früher allerdings eine ganz andere Bedeutung hatte.

Während des Bürgerkriegs war Key West die einzige südliche Stadt, die der Regierung treu ergeben war. Im 19. Jahrhundert wurden diverse militärische Anlagen errichtet, unter anderem als Truppenquartiere und zur Überwachung. Bis in den 2. Weltkrieg hinein wurde von dort operiert.

Um den Tower vor dem Verfall zu bewahren, nahm der Key West Garden Club das Heft in die Hand und verwandelte den West Martello Tower in eine Art botanischen Garten mit vielen tropischen Pflanzen, die alte Mauerreste verzieren, und einem süßen Schmetterlingsgarten.

Der Trubel von anderen Touristenattraktionen in Key West ist dort ganz weit weg. Setzt euch einfach hin und genießt die Ruhe! Zum Schluss könnt ihr gerne eine kleine Spende dalassen, um die Erhaltung des Gartens zu sichern.

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Südlichster Punkt vom Festland der USA

Die am meisten Betatschte Sehenswürdigkeit in Key West ist ohne Frage das bunte Gebilde, das den südlichsten Punkt von Festland-USA (Southernmost Point) markiert.

Hier solltet ihr etwas mehr Zeit einplanen, denn traditionell bildet sich eine lange Schlange von Touristen, die auch gerne mal nacheinander alle Familienmitglieder zum Foto knipsen einzeln nach vorn bitten. Kann also dauern. Wir waren nach gut einer halben Stunde durch, was noch zu vertreten war.

Die „Heimat des Sonnenuntergangs“ (Home of the Sunset) liegt hier nur rund 90 Meilen (145 Kilometer) entfernt vom so verfeindeten Kuba.

Tipp: Wollt ihr eure kostbare Urlaubszeit in Key West nicht mit Warten verbringen und ist es euch nicht so wichtig, den südlichsten Punkt auch von vorne zu betatschen, dann stellt euch für ein Selfie einfach daneben. So haben es viele Leute gemacht. Einen Selfiestick im Rucksack zu haben, ist hier nicht die schlechteste Idee.

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Ernest Hemingway House

Key West ist mit seiner gechillten Lebensart ein Eldorado für Menschen, die den Tag lieber entspannt angehen. Nichts muss, aber alles kann. Eine Ausnahme gibt es allerdings: Das Ernest Hemingway House legen wir euch dringend ans Herz! Vor allem, wenn ihr Katzenfreunde seid.

Dutzende der flauschigen Vierbeiner bewohnen auch heute noch das historische Gebäude, in dem einst der Schriftsteller Ernest Hemingway zwischen 1931 und 1939 sein Leben verbrachte. Sie sind die Nachkommen der originalen Hemingway-Katzen und lassen sich von den menschlichen Besuchern kein Stück aus der Ruhe bringen. Und wenn doch, suchen sie sich einfach ein anderes schattiges Plätzen.

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Das Besondere an diesen Katzen ist, dass sie sechs bzw. sieben Zehen an ihren Samtpfötchen haben. Ansonsten sind sie genauso verschmust und verschlafen wie ihre „normalzehigen“ Artgenossen.

Im Inneren des Hemingway-Hauses ist vieles so geblieben, wie der 1961 gestorbene Autor es nach seinem Auszug hinterlassen hat. Heute dient es nur noch als Museum, doch man kann sich gut das Leben des prominenten Schriftstellers vorstellen, das er damals führte.

Neben den Katzen war unser Highlight ganz gewiss der türkisblaue Pool in der Außenanlage, in den wir bei den tropisch-heißen Temperaturen am liebsten direkt reingesprungen wären.

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Duval Street

Die Duval Street ist eine der Hauptverkehrsadern von Key West und kilometerlange Flaniermeile für Einheimische und Touristen.

Auf 1,25 Meilen (2 Kilometer) Länge reihen sich Boutiquen, Souvenirshops, Restaurants und Bars aneinander. Eingebettet in prächtige Holzhäuser im Kolonialstil.

Tipp: Auf der Duval Street findet ihr den Eisladen „Flamingo Crossing“, der sich damit rühmt, die beste Eiscreme der Florida Keys zu haben. Diese wird selbst hergestellt, aber etwas unansehlich in Eimern zur Schau gestellt. Lasst euch davon aber nicht täuschen, denn das Eis ist wirklich gut. Ob es das beste der Keys ist, vermögen wir nicht zu sagen, aber das ist sowieso Geschmackssache.

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Leider war die Bedienung nicht unbedingt die freundlichste, was sich mit diversen Erfahrungsberichten anderer Kunden im Internet deckt.

Eine weitere Empfehlung können wir für Ana’s The Conch and the Cuban Cafe aussprechen. Dort bekommt ihr unter anderem leckere Sandwiches und Salate. Die Preise gingen in Ordnung (z.B. Eisbergsalat mit Avocado, Zwiebeln, Tomaten für $5 oder Chicken Breast Sandwich für $7,95).

Ohnehin war das Essen nur nebensächlich, denn auf der Veranda des Cafés pickten freilaufende Küken herunterfallende Krümel auf. Einfach goldig!

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Martin
Autor(in)

Blogger aus Leidenschaft. Baumliebhaber. Sonnenanbeter. Mallorca-Liebhaber.

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